Strategie und Taktik

Philipp und Julian Autenrieth: "Die beste Taktik und Strategie entscheiden, da Boote und äußere Bedingungen mehr oder weniger für alle gleich sind. Wer das Beste aus diesen Faktoren macht, gewinnt."

 
 

Württembergischer Yacht-Club (WYC)

Segel-Bundesliga-Team: Brüder Rieger, Felix Diesch und Marvin Frisch

v.l. Max und Moritz Rieger, Felix Diesch und Marvin Frisch

Auf Rang fünf gesegelt ist das Team des Württembergischen Yacht-Clubs beim zweiten Spieltag der Segel-Bundesliga in Konstanz. Bei extrem leichten Windverhältnissen kamen in Konstanz nur 5 von 16 geplanten Wettfahrten für jedes Team zustande. Max und Moritz Rieger, Marvin Frisch und Felix Diesch legten zwei Laufsiege vor, verpatzten dann zwei Rennen, um zum Schluss nochmal mit einem zweiten Platz aufzuholen.. „Wir können zwar mit Platz fünf zufrieden sein, aber es ist doch Potenzial da, ganz vorne mitzufahren“, bilanzierte Max Rieger.
Quelle: Text und Fotos: V. Göbner (WYC)

WYC-Team vor der Luvboje
WYC-Team auf dem Vorwindkurs

Interview mit Marvin Frisch

Taktische Entscheidungen treffen - im Opti wie auf einer J/70!

Ein guter Start, Streckbug und Wegerecht - das war damals das Erfolgsrezept für Marvin Frisch, Deutscher Meister im Opti von 2010 und 2011.Heute segelt Marvin im Team der Segel-Bundesliga eine J/70 für den Württembergischen Yacht-Club. "Tactical Sailing" hatte Gelegenheit, mit ihm und seiner Crew zu Beginn der Saison 2019 am Starnberger See zu sprechen.

Marvin: „Wenn du nicht selbst steuerst, mußt du viel kommunizieren."

Und das wurde bei der „Nachbesprechung" mit dem Coach Jochen Frick an Land deutlich, wie hier im Team diskutiert wurde und was dann im nächsten „Flight“ verbessert werden soll. Dabei geht es in der Hauptsache darum, klare Entscheidungen zu treffen, nicht lange zu zögern und deutliche Ansagen zu machen! Das beginnt bereits in der Vorstartphase: Ein gutes Timing an der Startlinie ist die Grundlage für den Erfolg. Marvin: "Mit dem Opti konnte ich mich an der Startlinie in den Wind stellen, dann abwarten und schließlich abfallen, wenn der Startschuss fiel. Das geht mit der J/70 gar nicht!"

Typische Wegerechts-Situationen am Gate

Für jeden Segler ist es offensichtlich, dass die J/70 im Vergleich zum Opti eher zu den „Big Boats“ gehört. Durch die Rollenverteilung im Team auf einem „Big-Boat“ wie der J/70 ist taktisches Segeln in Situationen wie beim Start, bei Winddrehern und dem Wegerecht genauso wichtig wie damals für Marvin in seinem Opti. Aber beim Bundesliga-Format mit den kleinen "Spielfeldern" kommt es außerdem auf intensive Kommunikation und schnelles Entscheiden an. Marvin – als Taktiker an Bord – konnte mit dem Team bereits viele neue Erfahrungen sammeln.

Vor der Luvbahnmarke

Auf dem Weg zur Luvbahnmarke werden die Winddreher genutzt, um beim Kreuzen den zu segelnden Weg abzukürzen. Wiederum wird entschieden, ob der Streckbug, ein Zieher oder Drücker eine neue taktische Situation liefern. Neben dem Wegerecht an der Luvbahnmarke geht es auch darum, die erreichte Bootsgeschwindigkeit nach dem Runden der Luvbahnmarke nicht zu verlieren, also nicht im Wind oder Windschatten stehen bleiben! Ein wesentlicher Unterschied zu anderen Booten ist der Downwind-Kurs mit einer J/70: Kreuzen auch vor dem Wind! Hier gilt es also, auch den Streckbug zu segeln.

Zweikämpfe meiden

Auch die Rollenverteilung der Crew an Bord hat ihre Besonderheiten: Der „Steuermann“ "fährt" dem Gennaker-Fahrer einfach hinterher. Das soll heißen, der Segler vorn am Gennaker spürt den Druck im Segel zuerst und gibt Informationen - wie Anluven oder Abfallen - an den Steuermann nach hinten weiter. Am Lee-Gate spielt dann das Wegerecht wieder eine entscheidende Rolle. Für den Taktiker Marvin gilt es also, sich eine taktische Variante zu überlegen, auf welcher Seite man am besten vor dem Wind segeln sollte und folgendes Problem zu lösen: Wie kommt man dorthin, wenn andere Boote am Gate im Weg stehen? „Lieber keine Zweikämpfe an einer Gate-Boje und besser den freien Wind an der anderen Gate-Boje nutzen“, so lautet Marvins klares Resümee aus den vorangegangenen „Flights“.

Das Ergebnis für den Württembergischen Yacht-Club(WYC) an diesem Wochenende in Starnberg: Ein nicht ganz zufriedenstellender Platz - das zeigt durchaus noch Optimierungspotenzial. Aber die Saison hat ja gerade erst begonnen, wir drücken Marvin die Daumen!

Oldie meets Youngster!

Dr. Eckart Diesch&Marvin Frisch
Paul, Eckart, Marvin,
Felix & Simon Diesch

Zwei wahre Meister ihres "Fachs" trafen auf der Messe INTERBOOT in Friedrichshafen zum Fachsimpeln über unser Programm "Tactical Sailing" aufeinander: Dr. Eckart Diesch, Olympiasieger und Weltmeister vergangener Jahre im Flying Dutchman, im Dialog mit dem derzeit erfolgreichsten deutschen Opti-Segler Marvin Frisch. Marvin, Deutscher Meister 2011, außerdem Gewinner der internationalen Meisterschaften in Polen und der Schweiz, ist begeistert von "Tactical Sailing" und freut sich, seinem großen Vorbild die unterschiedlichen Varianten unseres Spiels vorstellen zu können.

Dr. Eckart Diesch als international erfolgreicher Regattasegler unterstützt unsere Idee. Er findet es wichtig, den  optimalen Umgang mit dem Wind in kritischen Situationen während einer Regatta zu thematisieren. Auch in seiner Funktion als Präsident des Württembergischen Yacht-Clubs (WYC) gibt er seine über Jahrzehnte gemachten Erfahrungen als Regattasegler an den Nachwuchs weiter - und das Thema Wind spielt bei ihm - wie bei Tactical Sailing - eine entscheidende Rolle.

Seine beiden Söhne, Felix und Simon Diesch, erfolgreiche Segler im 420er und außerdem Trainer mit B-Lizenz, sind besonders von der Möglichkeit begeistert, spezielle Windsituationen visualisieren und für ihre Trainertätigkeit gezielt nutzen zu können. Felix: "Das Spiel - vor allem mit dem Trainertool - hat mich wirklich fasziniert."
Quelle: Auszug aus Segler-Zeitung 11/2011; Bild 1 : Hermann Hell, Segler-Zeitung, Bild 2,3: Tactical Sailing 

Fotos: Tactical Sailing; Opti © Matias Capizzano,
© Fotoserie der Segel-Bundesliga beim Münchener Yacht Club am Starnberger See von Andrea Grosser, siehe: www.grosser.name